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Akku und Wasserschaden: Sofortmaßnahmen, Brandrisiko und was die Versicherung zahlt

Redaktion Technikretter-TeamGeprüft FBB-WerkstattnetzLesezeit 6 Min.Stand September 2026
Akku und Wasserschaden: Sofortmaßnahmen, Brandrisiko und was die Versicherung zahlt
Das Wichtigste in Kürze
  • Nach Wasserkontakt sofort ausschalten, vom Strom trennen und nicht mehr laden, bis der Akku geprüft wurde.
  • Reis, Föhn und Einschaltversuche verschlimmern den Schaden, Korrosion arbeitet über Wochen weiter.
  • Geräteversicherungen decken Flüssigkeitsschäden, die Hausrat nur Leitungswasser aus Rohren und Haushaltsgeräten.
  • Defektbestätigung und Kostenvoranschlag gibt es online, die endgültige Prognose liefert die Diagnose in der Werkstatt.

Das Handy rutscht aus der Gesäßtasche in die Toilette, der Kaffee kippt über die Laptop-Tastatur, der E-Scooter steht nach dem Wolkenbruch mit vollgelaufenem Akkufach im Hof. Der erste Impuls ist fast immer derselbe: schnell abtrocknen, einschalten, schauen, ob es noch geht. Genau das ist der Moment, in dem aus einem Wasserschaden ein Elektronikschaden wird.

Bei Geräten mit Lithium-Ionen-Akku kommt eine zweite Ebene dazu. Wasser und Akku vertragen sich nicht nur schlecht, ein nasser Akku kann Tage später noch zum Sicherheitsproblem werden. Dieser Ratgeber zeigt, was in den ersten Minuten zählt, was Sie unterlassen sollten und wie der Weg zur Versicherung aussieht.

Was Wasser im Gerät anrichtet

Reines Wasser leitet kaum Strom. Das Problem sind die gelösten Salze und Mineralien in Leitungswasser, Kaffee, Meerwasser oder Toilettenwasser. Sobald diese Flüssigkeit eine Platine unter Spannung erreicht, passieren zwei Dinge:

  • Kurzschluss: Leiterbahnen, die nebeneinander liegen, werden überbrückt. Bei laufender Elektronik brennen dabei Bauteile durch, oft die Ladeelektronik oder der Spannungswandler direkt am Akkuanschluss.
  • Korrosion: Auch wenn nichts sofort ausfällt, beginnt an allen Kontaktstellen ein elektrochemischer Prozess. Er frisst über Tage und Wochen Steckverbinder, Akkukontakte und Lötstellen an. Ein Gerät, das nach dem Trocknen noch funktioniert, fällt deshalb häufig zwei Wochen später aus.

Der Akku selbst ist verschweißt und wasserdicht, seine Zellen kommen mit dem Wasser nicht in Berührung. Seine Kontakte und die Schutzplatine hingegen schon. Korrodierte Akkukontakte führen zu Ladefehlern, Aussetzern unter Last und im schlimmsten Fall zu einem Kurzschluss direkt am Akku.

Warum ein nasser Akku ein Brandrisiko ist

In der Werkstatt sehen wir gelegentlich Geräte, die nach einem Wasserschaden wochenlang in der Schublade lagen und dann beim ersten Ladeversuch heiß wurden oder sich aufblähten. Der Mechanismus: Korrosion an der Akku-Schutzplatine kann die Abschaltfunktion außer Kraft setzen. Wird dann geladen, fehlt die Überwachung, und die Zelle wird überladen oder mit Kurzschlussstrom belastet.

Deshalb gilt nach jedem ernsthaften Wasserkontakt: Der Akku wird nicht mehr geladen, bis er fachlich geprüft wurde. Das ist keine Vorsichtsfloskel, sondern der häufigste vermeidbare Folgeschaden. Was ein aufgeblähter Akku bedeutet und wie Sie ihn sicher lagern, beschreibt der Ratgeber Akku aufgebläht: Was jetzt zu tun ist.

Ihre Versicherung verlangt Unterlagen?

Kostenvoranschlag, Defektbestätigung, Zeitwert- oder Totalschaden-Bescheinigung erstellt unsere Schwesterplattform online, ohne Einsendung. Ab 25 Euro, die Sofort-Variante ist in rund 5 Minuten im Postfach.

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Sofortmaßnahmen: Das sollten Sie tun und lassen

TunLassen
Gerät sofort ausschalten, wenn es noch läuftNicht einschalten, um zu prüfen, ob es geht
Vom Ladegerät trennen, Netzteil ziehenNicht laden, auch nicht kurz
Hülle, SIM-Karte, Speicherkarte, Stift entfernenNicht schütteln, das verteilt Wasser im Inneren
Außen mit fusselfreiem Tuch abtupfenKein Föhn, keine Heizung, kein Backofen
Bei Laptops: Akku entnehmen, falls er wechselbar istKein Reis, es zieht kein Wasser aus dem Gerät und Reisstaub verschmutzt Anschlüsse
Gerät offen an einem trockenen, luftigen Ort lagernNicht in eine geschlossene Tüte oder Dose legen
Fotos vom Gerät und vom Vorfall machenNicht mit Tasten drücken versuchen, das Gerät zu wecken

Der Reis-Tipp hält sich hartnäckig, ist aber wirkungslos. Trockener Reis nimmt aus der Umgebungsluft kaum Feuchtigkeit auf, und das Wasser im Inneren des Geräts erreicht er ohnehin nicht. Wirksam ist nur, dass das Gerät stromlos bleibt und die Korrosion durch eine schnelle fachliche Reinigung gestoppt wird.

Salzwasser, Süßwasser, Kaffee: Der Unterschied

Nicht jede Flüssigkeit ist gleich schädlich. Aus Werkstattsicht in aufsteigender Reihenfolge:

  1. Destilliertes Wasser, Regen: Wenig Mineralien, geringe Leitfähigkeit. Gute Chancen, wenn schnell stromlos geschaltet wird.
  2. Leitungswasser, Bad, Pool: Mittlere Leitfähigkeit, Chlor beschleunigt Korrosion. Typischer Fall, meist reparabel bei schnellem Handeln.
  3. Kaffee, Softdrinks, Bier: Zucker und Säuren hinterlassen klebrige, leitfähige Rückstände. Ohne Reinigung der Platine frisst sich die Korrosion weiter.
  4. Meerwasser: Der schlimmste Fall. Salz korrodiert innerhalb von Stunden. Hier zählt jede Stunde bis zur Reinigung.

Wasserdichte Smartphones mit IP-Zertifizierung sind gegen kurzes Untertauchen in Süßwasser geschützt, nicht gegen Meerwasser, Seife oder Druck. Die Dichtungen altern zudem und verlieren nach Sturz oder Akkutausch ihre Wirkung. Was für die einzelnen Geräte gilt, finden Sie auf unserer Handy-Akku-Seite.

Welche Versicherung bei Wasserschaden zahlt

Ein Wasserschaden ist einer der häufigsten Versicherungsfälle bei Elektronik, aber die Zuständigkeit hängt davon ab, woher das Wasser kam:

  • Geräte- und Handyversicherung: Deckt Flüssigkeitsschäden fast immer ab, unabhängig von der Quelle. Getränk über der Tastatur, Sturz ins Waschbecken, Regen beim Radfahren: alles versichert, meist mit Selbstbeteiligung.
  • Hausratversicherung: Zahlt nur bei Leitungswasser, also Wasser, das bestimmungswidrig aus Rohren, Waschmaschinen, Geschirrspülern oder Heizungen ausgetreten ist. Der Laptop, der bei einem Rohrbruch auf dem Boden lag, ist versichert. Der Laptop, über den Sie selbst das Glas gekippt haben, nicht.
  • Haftpflicht: Wenn ein Dritter die Flüssigkeit verschüttet hat, zahlt dessen Haftpflichtversicherung den Zeitwert.
  • Elementarschaden: Hochwasser und Starkregen von außen sind nur mit dem Elementarbaustein der Hausrat versichert.

Verschweigen Sie den Hergang nicht. Wer aus dem Kaffee über der Tastatur einen Rohrbruch macht, riskiert den Versicherungsschutz komplett. Welche Police welches Ereignis abdeckt, zeigt im Detail der Ratgeber Welche Versicherung bei Akkuschaden zahlt.

Unterlagen für die Versicherung

Bei Flüssigkeitsschäden will der Versicherer in der Regel drei Dinge: den Hergang, den Beleg des Schadens und die Höhe. Für die ersten beiden Punkte reichen Ihre Schilderung und Fotos, ergänzt um eine Defektbestätigung (25 Euro), die den Zustand des Geräts dokumentiert. Für die Höhe verlangen Versicherer einen Kostenvoranschlag, online ab 25 Euro, die Sofort-Variante für 35 Euro ist in rund fünf Minuten im Postfach.

Bei Wasserschäden ist allerdings oft eine Einschränkung nötig: Ob das Gerät nach der Reinigung wieder dauerhaft funktioniert, zeigt sich erst am geöffneten Gerät. Die Partnerwerkstatt prüft nach der Einsendung Platine, Akkukontakte und Ladeelektronik, entfernt Korrosion und nennt danach einen Festpreis nach Diagnose. Der Versicherer erhält so entweder ein belastbares Reparaturangebot oder, wenn die Korrosion zu weit ist, eine Totalschaden-Bescheinigung. Den Ablauf beschreibt unsere Versicherungsfall-Seite.

Einsendung zur Diagnose: Je schneller, desto besser

Bei Wasserschäden läuft die Uhr. Jeder Tag, den ein feuchtes Gerät liegt, verschlimmert die Korrosion. Deshalb lohnt sich die Anfrage über unser Formular am besten noch am selben Tag. Sie erhalten per E-Mail die Versandunterlagen. Wichtig für den Versand: Ein Gerät mit eingebautem Akku ist Gefahrgut nach UN 3481, ein loser Akku nach UN 3480. War der Akku direkt betroffen oder zeigt er Auffälligkeiten, klären wir vor dem Versand, ob und wie er transportiert werden darf. Einzelheiten dazu im Ratgeber Akku versenden als Gefahrgut.

In der Werkstatt wird das Gerät zerlegt, die Platine in einem Ultraschallbad gereinigt, Akkukontakte und Steckverbinder werden geprüft und der Akku selbst auf Spannung, Innenwiderstand und Verhalten der Schutzplatine getestet. Erst danach steht fest, ob der Akku bleiben kann oder ersetzt werden muss. Reparaturen erfolgen nur nach Ihrer Freigabe.

Häufige Fragen

Ja, Korrosion arbeitet im Verborgenen weiter und führt oft Wochen später zum Ausfall. Sichern Sie Ihre Daten sofort und lassen Sie das Gerät zeitnah öffnen und reinigen.

Nein. Reis nimmt aus dem Geräteinneren praktisch keine Feuchtigkeit auf, und Reisstaub setzt sich in Buchsen fest. Wirksam ist nur, das Gerät stromlos zu lassen und schnell reinigen zu lassen.

Nicht, bevor der Akku und seine Schutzplatine geprüft wurden. Korrodierte Schutzelektronik kann beim Laden versagen, das ist die häufigste Ursache für Hitze und Aufblähung nach Wasserschäden.

Nein, das ist kein Leitungswasserschaden. Dafür ist eine Geräteversicherung zuständig, falls vorhanden. Die Hausrat greift nur bei Wasser aus Rohren oder angeschlossenen Geräten.

Geräte mit Lithium-Akku sind Gefahrgut und brauchen die passende Kennzeichnung. Fordern Sie über das Formular die Versandhinweise an, bei auffälligem Akku klären wir vorher, ob ein Versand überhaupt zulässig ist.

Genau Ihr Fall? Wir schauen uns das an.

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